"Abgesägt und zugenagelt"?

Verfasser: Höbald, Jörg; Otto, Ralf-Peter
Jahr: 2003
Verlag: Glauchau, Buchmanufaktur Gesau
Preis: 11,80 EUR
 
Stadtbad Glauchau

zDer Umgang mit Erbstücken ist problematisch, insofern diese ihren einstigen Glanz längst verloren haben. Mitunter mutiert dadurch ein Denkmal schnell zum lokalen Politikum, durch dessen Existenz schon eine Titelzeile missverstanden werden kann.

Wer jedoch in Glauchau aufgewachsen ist und im historischen Stadtbad das Schwimmen erlernen durfte, der hat vielleicht auch das Sprichwort: „Abgesägt und Zugenagelt !“ gehört, mit dem das Personal über Jahrzehnte hinweg die Veränderungen in der altehrwürdigen Einrichtung zur Kenntnis nahm. Wesentlich mehr aufgefallen, sind die niedrigen Sitzgelegenheiten, besonders im Wannenbad, die im Verlaufe der Zeit immer weiter schrumpften. Die Ursache dafür lag im feuchtwarmen Klima der Gebäude, welchen selbst eine überaus solide Möblierung im Jugendstil nicht ewig standhalten konnte. Doch für neue Stühle oder Bänke fehlte jedoch seit Jahrzehnten das Geld. In der Konsequenz sägte der Heizer immer wieder ein Stück der Möbelbeine ab, wenn diese angefault waren.

Fiel eine technische Anlage aus oder das Mauerwerk wurde marode, dann entschied ebenfalls schon seit mehreren Generationen das Improvisationstalent des Personales und befreundeter Handwerker darüber, wann das Stadtbad nach der jeweiligen Havarie wieder für die Bürger geöffnet werden konnte. So entstand ein Sammelsurium bisweilen interessanter Notlösungen, viele Lücken im Stadtbad, mit denen die vielfältigen Lücken teilweise im wahrsten Sinne des Wortes zugenagelt wurden.

Demgegenüber stand das Stadtbad Glauchau in den Anfangsjahren den vergleichbaren Objekten in anderer deutscher Städte in keiner Weise nach. Im Gegenteil setzte die Glauchauer Bürgerschaft gerade mit diesem Bauwerk und seiner technischen Ausstattung eigene Akzente. Offenbar geschah dieses aber um den Preis, dass in sämtlichen der rund 89 Betriebsjahre des Stadtbades Glauchau mehr oder minder heftig um die Existenz der Einrichtung gerungen werden mußte. In der Folge mußten das Personal, die Schwimmsportler aus der Region und viele Sympathisanten über Jahrzehnte hinweg viel Engagement aufbringen, um das Haus offenzuhalten.

Deshalb haben die Autoren versucht, die Bruchstücke der Geschichte des Glauchauer Stadtbades aufzusammeln und in einem kleinen Buch zusammenzufügen. Sein Ziel besteht in erster Linie darin, 101 Jahr nach der Eröffnung und 10 Jahre nach der Schließung des Stadtbades Glauchau an das einstige Schmuckkästchen der Kommune sowie die Leistungen der Menschen in und um diese Einrichtung zu erinnern. Dabei soll der alte Stil einer Chronik den Lesern den breiten Freiraum bieten, selbst individuelle Wertungen zu treffen und keine vorgefertigte Meinung zu konsumieren. Schließlich kann ein Rückblick nicht alle Details erfassen. Dennoch kommt er nicht an den Wandlungen des Zeitgeistes vorüber, in den die geschilderten Ereignisse eingebunden waren.

Besonderer Dank gilt den früheren Mitarbeitern des Stadtbades Glauchau, dem Integrationswerk Westsachsen gGmbH., dem Kreisarchiv des Chemnitzer Landes sowie dem Kulturamt, dem Bauamt, dem Bürgermeisteramt der Großen Kreisstadt Glauchau und insbesondere Oberbürgermeister Karl – Otto Stetter für die Unterstützung des Projektes.

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